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Eingebettet in das Klimaquartier Neue Weststadt ist das RVI-Projekt Lok.West wegweisend für eine neue Generation von Wohn- und Geschäftshäusern. Im Rahmen der Förderinitiative „Solares Bauen/Energieeffiziente Stadt“ wird in der Neuen Weststadt innerstädtische CO²-Neutralität erprobt. Das Energiekonzept des nachhaltig geplanten Stadtquartiers beruht auf der Sektorenkopplung von Strom, Wärme, Kälte und Mobilität. In der quartierseigenen Energiezentrale wird zudem grüner Wasserstoff produziert - im innerstädtischen Kontext ist das bundesweit einzigartig. Die Neue Weststadt möchte den jährlichen CO²-Ausstoß für Wohnen und Mobilität auf eine Tonne pro Bewohner*in reduzieren und leistet somit einen wichtigen Beitrag zu den ambitionierten Klimaschutzzielen in Deutschland. Das Leuchtturmprojekt in der Neuen Weststadt wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) sowie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Energieoptimierte Gebäudeversorgung 

Alle Lok.West-Gebäude sind energieoptimiert geplant und nach den Nachhaltigkeitskriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) gebaut worden. Sie zeichnen sich aus durch hochwertige Gebäudehüllen und tragen auf allen Dachflächen PV-Elemente zur Erzeugung von Solarstrom: allein die Baublöcke Béla, Citadis und Desiro kommen auf insgesamt rd. 3.430 m² PV-Fläche.  

Béla und Citadis haben die DGNB-Zertifizierung in Gold bereits erhalten. Mit ihrem klugen Energiekonzept fügen sie sich lückenlos in das Klimaquartier Neue Weststadt. CO²-Neutralität erreichen sie durch die Kombination eigener Biomethan-Blockheizkraftwerke mit den PV-Anlagen auf der Dachfläche. Der Solarstrom aus eigener Produktion wird im Rahmen des Mieterstrommodells von Polarstern Energie von den Bewohner*innen selbst genutzt, während die Wärmeversorgung der Gebäude zum Großteil durch die Abwärme der Biomethan-Block-Heizkraftwerke sichergestellt wird. Desiro, crystal rock und der Neubau der Hochschule werden über ein separat aufgebautes Nahwärmenetz versorgt.

Energiezentrale und Elektrolyse 

Desiro und crystal rock erhalten direkten Anschluss an die Energiezentrale des Klimaquartiers. Als unterirdisches Bauwerk ausgeführt, beherbergt die Energiezentrale das Herzstück des Forschungsprojekts: Zwei Elektrolyseure erzeugen hier aus erneuerbarem Strom bis zu 400 kg grünen Wasserstoff am Tag – im Jahr sind es bis zu 85 Tonnen. Gespeist wird der Elektrolyseprozess hauptsächlich mit lokal erzeugtem Solarstrom aus den PV-Anlagen der Baublöcke Desiro, crystal rock und des Neubaus der Hochschule Esslingen. Die beim Elektrolyseprozess anfallende Abwärme wird dem quartierseigenen Nahwärmenetz zugeführt und deckt auf diese Weise den Heiz- und Warmwasserbedarf der Gebäude.  

Wasserstoffnutzung 

Im Sinne der Dekarbonisierung des Gassektors wird der grüne Wasserstoff dem lokalen Erdgasnetz der Stadtwerke Esslingen zugeführt. Zukünftig soll auch eine Verwendung in Industrie und Mobilität außerhalb des Quartiers möglich sein. Im Wasserstoffspeicher der Energiezentrale kann er zudem mittelfristig gespeichert werden. Bei Bedarfsspitzen oder zu Zeiten ohne ausreichende Solarstromproduktion kann er dann in den quartierseigenen Blockheizkraftwerken rückverstromt werden. Dieses Verfahren wird als Power-to-Gas-to-Power bezeichnet und ermöglicht die Speicherung und zweckübergreifende Nutzbarmachung regenerativ erzeugter Energie. Für die Transformation des bundesdeutschen Energiesystems hin zu einer rein erneuerbaren Energieversorgung gilt grüner Wasserstoff als bedeutender Baustein. 

Bildnachweis (Header): Maximilian Kamps, Agentur Blumberg GmbH

Energieversorgung im Klimaquartier